Geschichte

"Am 1. Juni gründete Novesia eine Tochterverbindung unter dem Namen Saxonia mit den Burschenfarben orange-weiß-schwarz (Fuchsenfarben: weiß-orange-weiß) und dem Wahlspruch "In Treue fest". Saxonia, die 4. Kölner Ringburschenschaft, trägt Orange-Mützen mit silberner Perkussion. Als Tochterverbindung gehört sie satzungsgemäß dem RKDB als befreundete Burschenschaft an."

Ringtag
Gründungskneipe am 28. Juni 1927.

Mit dieser Mitteilung im Ringheft 5/7 aus dem Jahr 1927 wird die Gründung Saxoniae angezeigt. Sie ist von weiteren Notizen über Entstehung und Leben der jungen Burschenschaft begleitet. So berichtet der damalige Scriptor der Aktivitas Novesiae, Dietrich Büsges, im gleichen Ringheft:
"Im Verbindungsinteresse mussten wir drei unserer besten Burschen für die Gründung unsrer Tochterkorporation abgeben. Unser lieber Sperber hat es allein fertiggebracht, 11 stramme Leute für die neue Korporation zu gewinnen..."

Zur Neugründung Saxoniae stellte Novesia drei Burschen ab. Dem FM gelang es direkt in den ersten Wochen 13 Neofüchse zu gewinnen.

Im weiteren Verlauf des Semesterberichtes zum Sommersemester 1927 heißt es:
"In Farben zog Saxonia am 23. Juli zum ersten Male auf, und man war an der Kölner Universität allgemein erstaunt über die stattliche Schar, um die sich der RKDB über Nacht und unerwartet vermehrt hatte. Mutter- und Tochterkorporation einte am Abend ein Couleurbummel und ein Dämmerschoppen im ,Weihenstephan'..."

Von Beginn an besaß die junge Burschenschaft eine Altherrenschaft; denn noch im Jahr 1927 traten mehr als 30 Mitglieder der ehemaligen katholischen theologischen Studentenvereinigung Eburonia zu Bonn Saxonia bei. Eburonia hatte sich im Jahr 1895 am ,Collegium Albertinum' in Bonn aus einer Tischgemeinschaft katholischer Theologiestudenten gebildet, die aus dem Raum Eupen und Burtscheid stammten. Am 17. Mai 1900 nahm die Tischgemeinschaft die Form einer Studentenverbindung an und gab sich den Namen Eburonia mit den Farben violett-gold-grün, die auch heute noch im Wappen Saxoniae zu finden sind.

Wie stürmisch die Aufwärtsentwicklung der Korporation war, verdeutlicht wiederum ein Blick in eine Mitteilung aus jener Zeit, in der der Consenior von 9 Füchsen berichtet. Weiter heißt es hier:
"Das Sommersemester 1928 stand ganz im Zeichen des Auftretens nach außen, der Publikation (17.6.1928). Zum ersten Male sah man unsere Aktivitas auf der Antrittskneipe in ihren farbenprächtigen Kneipjacken aufziehen. ... Weiter möchten wir Dank aussprechen für die Festrede bei der Vornahme des Taufaktes unserer Fahne dem Hohen Ehrensenior, unserem AH Pfarrer Dr. Pschmadt, der die Fahne der Sachsenstreiter dem hl. Erzengel Michael, dem Gottestreiter, geweiht hat."

Die KDB Saxonia, die dem RKDB bisher als befreundete Verbindung angehörte, wurde auf der 4. Ringtagung in Bonn am 4. Juni 1928 in den Ring aufgenommen, der damit 19 Korporationen in 14 Universitätsstädten umfasste.

Einen ganz ungewöhnlichen Aufschwung brachte das Sommersemester 1929 mit 26 Neofüchsen. Nachdem die Kneipen und Convente bislang im ,Weihenstephan' in der Schildergasse und in der ,Bierhöhle' stattgefunden hatten, erhielt Saxonia jetzt auch eine ständige Bleibe im Hotel ,Belgischer Hof' in der Komödienstraße, dessen prachtvoller Spiegelsaal einen würdigen Rahmen für die Kneipen abgab. Der größte Fuchsenstall in der Geschichte Saxoniae mit 29 (!) Füchsen existierte im Wintersemester 1929/1930.

Mit Beginn des Jahres 1933 begann für Saxonia wie für alle studentischen Verbindungen eine harte Zeit. Die Machthaber duldeten zunächst neben dem NS-Stundentenbund Korporationen nur noch unter der Voraussetzung, dass sie einen Korporationsführer bestellten und Wohngemeinschaften eingingen. Im Zuge dieser Entwicklung kam es nach Verhandlungen am 3. September 1933 zum Zusammenschluss des RKDB mit dem nichtfarbentragenden KV. Dieser neue Verband nannte sich, da konfessionell ausgerichtete Vereinigungen als unerwünscht galten, "Kartellverband Deutscher Burschenschaftlicher Verbindungen (KV)", ohne jedoch seiner konfessionellen Grundlage zu entsagen. Die Aktivitas Saxoniae bildete zunächst mit der KStV Winfridia im KV eine Wohngemeinschaft. Hierzu wurde in der Eifelstraße eigens ein Korporationshaus angemietet. Doch dieser aus der Not geborene Zusammenschluss von RKDB und KV hielt nur bis zum Januar 1935.

Was den RKDB betrifft, so erlebte er seine Rekonstitution am 31. März 1935. Im Juli 1934 hatte die "Reichsleitung der Deutschen Studentenschaft an Sigfridia Bonn und Nibelungia Münster die Bewilligung zur Wiederaufrichtung des RKDB" erteilt. "Der RKDB bestand de jure weiter, bis er am 31. März d.J. auf Initiative von Sigfridia auch de facto reaktiviert wurde" (Der Ring 1/1935, Seite 2).

Saxonia folgte der Selbstauflösung des KV am 20.11.1935 nicht, sondern knüpfte Kontakte zum wiederbegründeten RKDB. Am 17. Februar 1936 fand wie üblich die Semesterabschlusskneipe im Hotel ,Belgischer Hof' statt. Doch das Ende des Korporationsbetriebes bahnte sich bald an. Anlässlich des 9. Stiftungsfestes am 15. Juni 1936 wurde Saxonia aufgelöst. Die Auflösung der Korporation bedeutete aber kein Auseinanderfallen, hatte man doch beschlossen, monatlich einen Stammtisch und einmal im Jahr einen Saxonentag einzurichten. Aber auch dieser zwanglosen Form, Freundschaften durch regelmäßige Treffen zu pflegen, wurde durch einen Erlass Himmlers vom Juni 1838 mit einem Schlag ein Ende bereitet. Jetzt wurden alle Zusammenschlüsse früherer konfessioneller Korporationen wegen "hochverrätischer Umtriebe" zwangsweise aufgelöst, und selbst alle weiteren, auch "zufälligen" Zusammenkünfte untersagt.

Auch von den Saxonen forderten das Nazi-Regime und der 2. Weltkrieg viele Opfer. Stellvertretend für alle sei an dieser nur ein Name hervorgehoben: Dr. Paul Lejeune-Jung. Er, der vom Goerdeler-Kreis als zukünftiger Wirtschaftsminister vorgesehen war, wurde vom Volksgerichtshof wegen seiner Beteiligung am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und am 8. September 1944 hingerichtet.

Von Bonn aus, wo am 12. Juli 1948 aus den Burschenschaften Rheinstein und Novesia die KDB Rheno-Guestphalia begründet und damit ein Anfang für die Wiederbegründung des RKDB gemacht worden war, wurde dann auch der entscheidende Anstoß zur Wiederbegründung Saxoniae gegeben. Hatten sich im März 1948 etwa 15 Saxonen zum ersten Nachkriegstreffen zusammengefunden und waren bis Juli 1948 Kontakte zu rund 60 Bundesbrüdern geknüpft, die auf dem ersten Saxonentag am 12. September den Vorstand der neuen Altherrenschaft wählten, so bedurfte es Bonner Hilfe zur Begründung einer Aktivitas. In Köln studierende Rheno-Guestphalen können als die Wiederbegründer der Aktivitas Saxoniae nach dem Krieg angesehen werden. Einen Monat später, am 23. Oktober 1948, konnte im ,Haus Virnich am Ring' die Publikation erfolgen und zwar im Vollwichs mitsamt Schläger; denn der letzte Vorkriegssenior hatte einen Teil des Korportionswichs durch die Kriegs- und Nachkriegswirren retten können.

Da der Zustrom junger Studenten derart groß war, konnte Saxonia noch im gleichen Jahr ihre Schwesterkorporation Rheno-Montania wiederbegründen. Auf der ersten Ringtagung nach dem Krieg, die am 6. November 1948 in Düsseldorf stattfand, wurde, gestützt vor allem auf die Erfolge in den Aktivitates Rheno-Guestphaliae und Saxoniae, mit überwältigender Mehrheit die Wiederbegründung des RKDB beschlossen.

So vielversprechend und erfolgreich der Aufbau auch war, tauchte doch bald ein ernstes Problem auf. Die Korporationen waren bei der Rekonstitution vor allem von Männern getragen worden, die der Frontgeneration des Weltkrieges entstammten. In diesem Kreis hatte sich die Erkenntnis Bahn gebrochen, dass es im christlichen Abendland für die beiden christlichen Konfessionen im Korporationsbereich nur noch einen Weg geben könne: die im Krieg aufgebaute Kameradschaft zu bewahren und sie auch im akademischen Leben zu realisieren. Die Aktivitas Saxoniae wollte, angeregt von der Una-Sancta-Bewegung, die Einheit der Christen nun auch im korporativen Leben verwirklichen und nahm evangelische Christen in ihre Reihen auf. Der Ringtag 1949 in Düsseldorf gab das Bekenntnis zur Beibehaltung der katholischen Grundhaltung ab, doch setzten sich Bonner und Kölner Ringburschenschaften über diesen Beschluss hinweg. Als sich daraufhin der Vorortsausschuss entschloss, diese Burschenschaften zu suspendieren, bekannten sich die Rheno-Guestphalen zum Katholizitätsprinzip. Die Aktivitas Saxoniae beharrte dagegen auf ihrer Haltung und so schieden bis auf 4 Bundesbrüder am 15. Juni 1950 alle Aktiven aus dem Verband aus, um sich zunächst der Evangelischen Deutschen Burschenschaft Frisia anzuschließen.

Noch im Juli 1950 die Altherrenschaft zum "Freundeskreis Neuß-Düsseldorf im RKDB" Verbindung auf, der sich überwiegend aus Ehemaligen des Neußer Quirinus-Gymnasiums zusammensetzte. Am 8. Juli 1950 - die Stadt Köln feierte ihr 1900jähriges Stadtjubiläum - trat die neue Aktivitas Saxoniae im ,Weinhaus Brungs' an die Öffentlichkeit. Fanden Veranstaltungen zunächst in der Hauptsache in Neuß statt, so wurden sie im Laufe der Zeit immer mehr nach Köln verlagert. Auch im RKDB arbeitete Saxonia sehr aktiv mit, stellte sie doch im Wintersemester 1951/1952 den Vorort. Diese Verbundenheit mit dem Verband zeigte sich u.a. dadurch, dass sich die Korporation häufig bereit erklärte, Ringtage und Ringwerkwochen in Köln durchzuführen.

Zwischenzeitlich war am 22. Mai 1954 durch vier Aktive der Düsseldorfer Rheno-Silesia die KDB Rheno-Montania wiederbegründet worden und als am 14. November 1956 Saxonia ihre Mutterkorporation Novesia wieder ins Leben gerufen hatte - wenn auch um den Preis einer gewissen Verstimmung in den Reihen der Bonner Rheno-Guestphalen -, da zählte das Kölner Ortskastell wieder drei aktive Korporationen. Diese Blütezeit sollte indessen nicht lange währen. Im Februar 1963 beschloss der CC Rheno-Montaniae die Auflösung der Burschenschaft und ihre Verschmelzung mit der KDB Saxonia. Ähnlich verfuhr die Altherrenschaft der KDB Hohenstaufen zu Köln, die keine Möglichkeit eines Neuaufbaus ihrer Aktivitas sah und deshalb am 1. Januar 1965 geschlossen Saxonia beitrat.

Nach langen Jahren der Wanderschaft gelang es, Ende der 1960er Jahre der Aktivitas eine feste Bleibe im Haus der KDStV Asgard im CV in der Heinestraße zu verschaffen. Dennoch erinnern sich damalige Aktive gerne der Zeiten, als Convente und Kneipen ,Em Hahnebräu', im ,Stapelhäuschen', in der ,Jagdhütte', beim ,Klausner am Ring', ,Em Altertümche' und im ,Stadtgartenrestaurant' stattfanden.

Ringtag
Semesterabschlusskneipe WS 1962/63.

Im September 1972 stellte sich dann ein "junger" Vorstand der Altherrenschaft den Aufgaben der Korporationsführung. In diese Zeit fällt der Versuch einer dringend notwendig gewordenen Rückbesinnung auf überlieferte Positionen und Haltungen der Burschenschaft, ohne an Überkommenem um seiner selbst Willen festzuhalten. Der Initiative des Altherrenvorstandes ist es schließlich zuzuschreiben, dass für die Aktivitas, die ihr Heim in der Heinestraße aufgeben musste, in der Dürenerstraße / Ecke Mommsenstraße ein eigenes Haus angemietet werden konnte. In der Folgezeit entwickelte sich die Aktivitas weiter, bis im Sommersemester 1980 das letzte Semesterprogramm erschien. Von 1977 bis 1980 übernahm Saxonia noch einmal dadurch besondere Verantwortung für den Ring in Zeiten großer personeller Probleme für drei Jahre die Charge des Ringpräsidenten und weitere Ringchargen durch Saxonia übernommen wurden. In der 5. Ausgabe der Zeitschrift "Der Saxone" aus dem Jahr 1983, musste dann endgültig das Ende der Aktivitas und die Philistrierung der letzten 6 Aktiven verkündet werden:

Ringtag
Winterfest 1974.

"Liebe Bundesbrüder,
Im April 1983 gab es erneut einen tiefen Einschnitt im Leben der KDB Saxonia. Nach dem politischen Verbot der NS-Zeit und nach dem ebenfalls politisch motivierten Ausscheiden der Aktivitates Saxonia und Rheno-Montania aus dem Ring hat die Corporation nun zum dritten Mal in ihrer Geschichte ihre Aktivitas verloren, diesmal durch Überalterung."

Das Ziel, in naher Zukunft wieder ein kleine Aktivitas aufzubauen, wurde in der Folge nicht mehr erreicht und gipfelte 1985 sogar in der Neugründung einer neuen Ringburschenschaft, der KDB Rhenania Köln. Den Rundschreiben und Programmen bis Ende der 1980er Jahre ist zu entnehmen, dass in dieser Zeit weiter ein interessantes Veranstaltungsprogramm, u.a. mit Stammtischen, Herrenessen, Winterfesten, Führungen usw. durchgeführt wurde. Diese Veranstaltungen fanden zum Teil zusammen mit Rhenania statt, die im Laufe der Zeit durch viele Saxonen, z.B. als Bandphilister, unterstützt wurde.

Nachdem im Jahr 2002 das 75. Stiftungsfest als Ringfreundschaftstreffen des RKDB im Kolpinghaus gefeiert wurde, stand das Jahr 2007 im Zeichen des 80. Stiftungsfestes, das im Hyatt-Regency Hotel groß gefeiert wurde. Ein besonderer Höhepunkt war das 85. Stiftungsfest Saxoniae, das 2012 gemeinsam mit dem Ringtag des RKDB im Dom-Hotel noch einmal mit viel Glanz gefeiert werden konnte.

Ringtag
Die hohen Chargen des 85. Stiftungsfestes.

In den Folgejahren schlief das Korporationsleben allmählich ein, bis ein Cumulativconvent am 5. Mai 2018 im 91. Jahr des Bestehens einen verjüngten Vorstand ins Rennen schicken konnte, der sich das Ziel steckte, trotz allen bekannten demografischen Tatsachen einer Altherrenschaft, die seit über 35 Jahren keine Aktivitas mehr ihr eigen nennt, die Korporation zu stabilisieren und die nächsten Jahre strukturiert zu führen.

Die Saxonenkneipe am 5. Mai 2018 war ein gelungener Anfang! Nach einem zünftigen Abendessen und konstruktiven CC konnten wir mit einer durch das Bonner Ortskartell verstärkten Corona von 30 Personen eine schöne Kneipe schlagen. Dass wir mit der Gaststätte ,Em Altertümche' eine durchaus geschichtsträchtige Lokalität ausgewählt hatten, war purer Zufall: das ,Altertümche' gehörte Ende der 60er / Anfang der 70er einem Alten Herren Saxoniae und war bereits einmal unser Verkehrslokal - so schließt sich der Kreis.

Zählte die KDB Saxonia im Jahr 1977 mit 161 Urphilistern, 29 Bandphilistern und 15 Aktiven noch insgesamt 205 Mitglieder, belief sich die Zahl 2019 auf 54 Bundesbrüder, davon 36 Urphilister, 16 Bandphilister und 2 Verkehrsaktive aus dem Kartell. Der neue Vorstand steckte sich bewusst Ziele für die kommende Amtszeit ab. Dies geschah mit einem realistischen Blick auf die Situation und die Möglichkeiten unserer lieben Saxonia, aber auch mit dem Elan, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und durchaus vorhandene Potentiale zu nutzen. So wurde beschlossen, ab dem Wintersemester 2018/2019 wieder ein kleines Programm aufzustellen, dessen Kern die regelmäßig stattfindenden Stammtische zunächst im ,Brauhaus Schreckenskammer' und ab 2019 im alten Verkehrslokal ,Em Altertümche' bilden sollen. Dazu kommen dann zusätzliche Veranstaltung wie Patronatsfest, Exbummel, Führungen und Kneipen.

Diese Programme sollen allen aus Köln stammenden, in Köln wohnenden oder in Köln studierenden KDBern genügend Gelegenheit geben, vor Ort Kartellleben bei einer Ringburschenschaft zu erleben und zugleich den Zusammenhalt unter den Saxonen stärken. So gelang es, bereits in den ersten beiden Semestern drei Alte Herren und zwei Aktive aus dem Kartell für die Mitarbeit in der KDB Saxonia zu gewinnen. Vivant sequentes...

Ringtag

© Dr. R. Hochstein, B. Müller, H.-J. Walter 1977 / K. Dockter 2019